Fundstücke
Ein Schlussstein
Erinnern und bewahren, das hat bei Dachdeckern schon immer eine große Rolle gespielt. Es war sogar Gegenstand der täglichen Arbeit. Früher war es üblich, den letzten Stein eines Daches - den so genannten Schlussstein - für die Nachwelt auf eine besondere Weise zu präparieren. Der Schlussstein ist bei vielen Bauten besonders wichtig: Erst wenn er eingesetzt ist, wird die Konstruktion selbsttragend. Aufgrund seiner Bedeutung und der zentralen Position sind in dem Schlussstein oftmals Informationen zum Erbauer des Hauses und den ausführenden Handwerkern eingeritzt. Mal sind es nur Initialen, mal sind es kurze Sätze oder auch die Jahreszahl. Auch bei den Dachdeckern gibt es Schlusssteine und es gibt Feierabendziegel. Sie sind zwar für die Konstruktion nicht immer von entscheidender Bedeutung, wurden aber oft als Möglichkeit zum Erinnern genutzt.
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Ein Fundstück aus dem
Jahre 1692
Eine kurze Geschichte aus alten Tagen
August Aßmus war ein Glückspilz. In einem Zeitungsbericht aus dem Jahr 1937 erzählt Lehrer Schwarz aus Borsdorf von einem denkwürdigen Ereignis, das ganz Borsdorf in Atem hielt:
„Mehr als dreißig Jahre hatte der Hahn droben auf der Kirchturmspitze gesessen. Allzeit war er ein zuverlässiger Wetterprophet gewesen. Doch seit dem letzten Gewitter, das übers Dörflein gebraust war, wollte er sich nicht mehr mit der Wettervorhersage befassen. Da standen denn die Bauern am Abend auf der Dorfstraße und schauten hinauf nach ihrem alten Freund, der immer in die gleiche Richtung blickte. Am liebsten hätten sie ihn dahin verwünscht, wo der Pfeffer wächst, da er stets ‚Schönwetter‘ ankündigte, obwohl manchmal der Bindfadenregen kein Ende nahm. Das konnte unmöglich so weiter gehen. Es mußte Abhilfe geschaffen werden. ‚Der Dachdecker aus Nidda muß herbei‘, so hatten‘s Gemeinde und Kirchenvorstand beschlossen, ‚und muß dem Drehpeter da oben ein bißchen nachhelfen, damit wieder Verlaß auf ihn ist.‘ Das ganze Dörflein war auf den Beinen, als die Turmbesteigung vorgenommen werden sollte. ‚Ach was, anbinden - das geht auch so‘, meinte der junge Meister. Höher und höher gings! Da stand er nun auf dem unteren Kranze, der die Turmspitze abschließt. Jetzt folgte eine kleine Kletterpartie auf die Kugel, die allerlei wertvolle Schriftstücke aus der Vergangenheit birgt. Nun reckt und streckt sich August Aßmus um den Widerspenstigen zu fassen. Doch er ist wenige Zentimeter zu klein, um ihn richtig packen zu können. Schon verdecken einige Frauen auf der Straße ihre Gesichter mit den Schürztüchern, weil sie dem Waghals nicht mehr zuschauen können. Ein neues Aufbäumen, und er scheint ihn zu haben. Ja - nein - der Hahn stürzt mit einem gewaltigen Bogen in die Tiefe. Der Meister - schon folgt ein lauter Aufschrei von der Straße her - aber umklammert krampfhaft das große Eisenkreuz, auf dem der Wettermacher thronte und folgt ihm nicht. Wohl zerstörte der fallende Riesenvogel ein Dachfenster und erlitt allerlei Beschädigungen an seinem goldglänzenden Körper, aber er mußte wieder an seinen Platz.
Nun soll man nicht denken, daß unser Dachdecker nach diesem Vorfall sich nicht mehr in die luftige Höhe gewagt hätte. Als alle Schäden behoben waren, brachte er den Widerspenstigen wieder richtig an seinen Platz und verpflichtete ihn feierlichst nach diesem ungewöhnlichen Zwischenspiel, doch fürderhin seine Aufgabe getreulich zu erfüllen. Und seit diesem Tage kündet er nun allen, die trotz allen übrigen Wettermeldungen auf ihn fest vertrauen, rechtzeitig alle Änderungen in der Wetterlage an.“














